Hilfe, mein Kind stört!

AllgemeinHilfe, mein Kind stört!

Haben Sie schon mal das Gefühl gehabt, dass Ihr Kind in Wirklichkeit völlig in Ordnung ist, so wie es ist, auch wenn es Verhaltensweisen zeigt, die andere so richtig auf die Palme bringen können? Dass hinter diesen Verhaltensweisen wunderbare Eigenschaften stecken können, oder diese ganz einfach ein Hilferuf sind, weil Ihr Kind Entwicklungsunterstützung braucht und sich nicht anders ausdrücken kann?

Nehmen wir z.B. das Verhalten „es widerspricht oft“ mal unter die Lupe: Natürlich kann es anstrengend sein, wenn Ihr Kind oft Dinge in Frage stellt oder sich sogar verweigert und dennoch: Das Verhalten kann auch gleichzeitig eine Stärke sein, denn dadurch zeigt Ihr Kind, dass es selbständig denken kann, mutig ist und den Dialog sucht. Oder das Verhalten „Besserwisserisch-Sein“: Auch hier kann eine „Superkraft“ in ihm stecken: Es zeigt, dass es wissbegierig ist und sein Wissen gerne mit anderen teilt. Oder Ihr Kind ist „unordentlich/chaotisch“? Solche Kinder sind oft sehr kreativ, spontan und leben intensiv im Hier-und-Jetzt. Es lohnt sich tiefer hineinzuschauen! Sie werden ganz bestimmt „die andere Seite der Medaille“ finden und/oder seinen Hilferuf erkennen.

Ganz wichtig:

  1. Wie ein Kind gesehen wird und wie sein Verhalten beurteilt wird, hängt von den Normen und Werten in der Familie und in unserer Gesellschaft ab. Allein das verlangt von Ihrem Kind unheimlich viel Anpassung und lässt es durch sehr schwierige Lernprozesse durchgehen. Es versucht sich ein Stück weit anzupassen, um „dazu gehören zu können“.
  2. Ein Kind mit anhaltend „herausfordernden“ Verhaltensweisen ist nie ein „böses oder schlechtes“ Kind und sein Verhalten ist kein Charakterfehler oder eine unveränderliche Persönlichkeitseigenschaft.
  3. Wenn ein „schwieriges Verhalten“ häufig vorkommt und das Kind selbst oder sein Umfeld darunter leidet, ist es wichtig, dass es Hilfe bekommt und Sie, vielleicht gemeinsam mit einer beratenden Person, schauen, welches Bedürfnis bei Ihrem Kind unerfüllt ist und gesehen werden möchte.
  4. Ihr Kind braucht in diesem Falle alles andere als Beschimpfungen, Bestrafungen oder Tadel. Es braucht Unterstützung und das Gefühl, geliebt zu werden, so wie es ist und so wie es sich zeigt.
  5. Scheuen Sie nicht, eine Beratung in Anspruch zu nehmen, mit deren Hilfe Sie Wege finden können, die Botschaft Ihres Kindes zu entschlüsseln – und wie es am besten unterstützt werden könnte. Je früher dies geschieht, desto besser für Ihr Kind. Damit vermeiden Sie, dass Konflikte rund um sein Verhalten sich verselbständigen und weitere mit sich ziehen. Vielleicht erfahren Sie dabei, dass das sog. „störende Verhalten“ ganz einfach alterstypisch ist und nichts Außergewöhnliches – und wie Sie darauf eingehen können. Es ist noch nie ein „fertiger Mensch“ auf die Welt gekommen. Wir entwickeln uns ein Leben lang und können auch im Erwachsenenalter von der Unterstützung durch Beratung und Psychotherapie viel profitieren.